Die Kunst des Ferdinand Wahl



Ferdinand Wahl in Kürze

wahl.jpg (16527 Byte)Geboren im April 1880 in Wesel. Ab 1894 wohnhaft in Essen. Gestorben 1962 in Essen.
Autodidakt.
Seit 1930 die Malerei in den verschiedenen Techniken beruflich ausübend. Vorwiegend aus der Vorstellung schaffend. In steter Wandlung von naturnaher Abstraktion über die gegenstandslose Komposition hinaus die Synthese anstrebend.
Beteiligung an den Ausstellungen in den Rhein- und Ruhrstädten; in Berlin und München.
Größere Kollektiv-Ausstellungen: im Folkwang-Museum, Essen; im Museum der Stadt Duisburg; im Vestischen-Museum, Recklinghausen; im Obernierhaus-Museum, Bonn.

 

 

 

Kritiken und Zeitungsartikel

Improvisation I (Oel, 50x60) 94042 ByteFebruar 1951, NRZ
Ganz ohne Etikette - Maler und Bankfachmann
"Das ist mein Freund Ferdinand Wahl. Seine Bankkollegen halten ihn für einen ausgezeichneten Maler, seine Malkollegen sagen, er sei ein hervorragender Bankfachmann." Auf diese Weise macht ein Freund Ferdinand Wahls seinen Freund mit den Gästen bekannt. Nun, der ehemalige Bankfachmann interessiert uns hier weniger, mehr aber der Maler. In seinem Atelier stapeln sich die Bilder zu Hauf. Eine boshafte Zunge könnte behaupten, er sei dann doch kein guter Maler, denn sonst hätte er mehr verkauft. Das wäre leichtfertig, denn die schlechten Zeiten füllen selbst bekanntere Ateliers. Als begeisterter Musikliebhaber ging Ferdinand Wahl von der Meinung aus, daß man im Bild mit Linien und Farbklängen gewissermaßen "Musik" für das Auge vermitteln könne. Damals aber konnte er noch gar nicht malen. Da es ihn aber zur schönen Kunst hinzog, kopierte er die Werke der großen Meister der Farbe und bildete sich als Autodidakt weiter. Man spürt es den Arbeiten Ferdinand Wahls an, daß sie in einem Zug "niedergeschrieben" sind.
Ist das Motiv gefunden, die Gestaltung überlegt, findet der Pinsel nicht eher Ruhe, bis das Bild fertig ist. Die früheren Versuche Ferdinand Wahls nähern sich auffällig der abstrakten Malweise, mit der er sich heute erneut beschäftigt. Dazwischen liegen die vielen Jahre, in denen er der Landschaft den Vorzug gab. Auf vielen Ausstellungen war Ferdinand Wahl mit Ölgemälden und Aquarellen vertreten. In Kollegenkreisen erfreut er sich hoher Wertschätzung. Das Folkwangmuseum plant im Verein mit dem Ruhrländischen Künstlerbund für den Monat März eine Kollektivausstellung seiner Werke. Anlaß dazu ist sein 70. Geburtstag. (H. S.)

 

Sonniger Vorfrühlingstag (Oel, 55x75) 34046 Byte Oktober 1982, WAZ
Ferdinand Wahl sind zwei Gedächtnisausstellungen gewidmet. 50 Bilder, des vor 20 Jahren verstorbenen Essener Malers, werden am Sonntag, 24. Oktober, dem Todestag Wahls, im Saalbau gezeigt.

 

13. Mai 1961, WAZ
In seinem 81. Lebensjahr widerfährt Ferdinand Wahl, dem Senior der Essener Maler, die Ehre einer Gesamtausstellung seines Werkes im Folkwangmuseum. Damit ist nicht nur eine schöne Pflicht erfüllt, die man dem auch um das Essener städtische Musikleben höchst verdienten rührigen Musensohn der Stadt schuldig war, sondern auch der Öffentlichkeit wurde einmal dargetan, welche Bedeutung eigentlich ein Hobby im Leben eines Menschen für ihn selbst und andere Gewinnen kann.
Als Wahl nämlich eines Tages zum Aquarellpinsel griff, tat er es eigentlich nur, um einen Ausgleich in seinem nüchternen Beruf als Bankbeamter zu haben. Die zunächst noch ungewohnte Kunstbetätigung stand nach seinen Worten in engster Verbindung zu seiner Musikliebe, die den 1894 von seiner Geburtsstadt Wesel nach Essen Gekommenen schon vier Jahre später als Sänger in den Chor des städtischen Musikvereins führte. Was Wahl hier lange Jahre als Vorsitzender geleistet hat, ist oft gewürdigt worden.
In der Laube (Mischtechnik) 53193 ByteSeine Maltalente entwickelten sich, wie er nicht zu Unrecht meint, durchaus "musikalisch". Was den heutigen Abstrakten zur Selbstverständlichkeit geworden ist: im freien Schöpfungsvorgang mit den Elementen des Farbklangs zu "komponieren", schwebte dem "Sonntagsmaler" Wahl damals schon vor. Gosebruch, der verdienstvolle kluge Förderer und Direktor des Folkwangmuseums, warnte damals weitschauend, das sei erst Zukunftsmusik. Also blieb Wahl mit beiden Beinen auf der Erde und bei der Natur.
Es ist kein Zufall, daß kein einziges der fast neunzig ausgestellten Bilder ein figürliches Thema behandelt. Fast alle geben den Eindruck einer Landschaft wieder. Die meisten stammen aus der Zeit früh begonnenen Ruhestandes, der die Unabhängigkeit allein für die Kunst sicherte. Bild auf Bild entsteht jetzt; nicht etwa draußen im Wald und Feld, sondern abends bei künstlichem Licht der Lampe. Wahl schafft aus der Erinnerung, aus der Lust zu komponieren, Farb-Melodien zu finden und sie anschaulich und geschmackvoll zu harmonisieren.
Meist bleibt seine Palette in toniger, vorsichtig nuancierter Genügsamkeit befangen. Wahls Farbensinn drängt nicht expressiv nach außen, sondern verrät die Innenschau feiner ästhetischer Sensibilität. Nur sparsam fließen auflockernde Akzente von Rot und Gelb oder Blau in seine Visionen, die eine stille romantische Sehnsucht durchweht. Manchmal schleicht sie sich auch in die Bildtitel ein. "Hinter den Bergen der Gral", lautet etwa eine der Deutungen beziehungsvoll.
Stimmungswerte ganz eigener Art verinnerlichen die kleinformatigen Ölbilder, die reinen oder mit Pastellstift durchgezeichneten Aquarelle. Ihre charaktervolle Handschrift bleibt sich stets gleich, ihre Welt ist abgeschirmt gegen verlockende Einflüsse von draußen.
Ferdinand Wahl ist auch dann kein Epigone geworden, als er sich in hohen Jahren mit der üppig ins Kraut schießenden "gegenstandslosen" Moderne auseinandersetzen begann, eine Entwicklung, die ja bei ihm zwangsläufig zu erwarten war. Auch diesmal bleibt er allein sich selbst treu. Man kann's an den Ergebnissen seiner Kunst aus jüngster Zeit ablesen. (A. v. D.)

 

Japanisch (Aquarell) 53893 Byte 13.Mai 1961, NRZ
Ein Maler der Stille - Arbeiten von Ferdinand Wahl im Museum Folkwang
...Für die alten Essener Kunstfreunde ist Wahl ein treuer und geachteter Weggefährte. Seine Arbeiten sind in den Jahresaustellungen auch nach dem Krieg regelmäßig zu finden gewesen. Sie drängten sich nicht in den Vordergund, waren aber in ihrer stillen, harmonischen Form nicht zu übersehen. die jetzige Ausstellung zeigt den Weg des Malers durch die letzten Jahrzehnte. Wahl hat mehrfach Haus und Besitz eingebüßt, aber es gelang frühere Arbeiten herbeizubringen. Gleichsam nach der Art der alten deutschen Romantiker pflegt auch Wahl nicht vor der Natur, sondern in abendlicher Stille seiner vier Wände zu malen. Was da vor seinem Auge realisiert wird, sind vor allem Landschaften in einer herben Stille, in erdenen, blauen, Umbratönen gehalten, mit stumpfem Grün und sparsamem Rot. Ein oft variiertes Thema stellt die sich frontal öffnende nach hinten aufschließende Landschaft dar, die einen Weg, einen Fluß zum hügeligen Horizont entführt. Eine lyrische Melancholie.
Wahl, der sich slebst gern im guten Sinne des Wortes als "Sonntagsmaler" bezeichnet hat, ohne jedoch die mit diesem Ausdruck verbundene Naivität zu besitzen, der als erfolgreicher Bankbeamter zugleich lange Zeit hindurch 1. Vorsitzender vom Städtischen Musikverein war, sieht in seiner Malerei gleichsam eine andere Form von Musik; so entstehen neben den Landschaften und gelegentlichen Stilleben abstrakte Gebilde, die dieselbe Handschrift und dasselbe Kolorit zeigen, meistens jedenfalls. Vor vielen Jahren, so erzählt Wahl, habe ihm Gosebruch, der ehemalige Museumsdirektor, geraten, nicht Musik abstrakt zu interpretieren, sondern die Natur darzustellen, und er, Wahl, habe diesen Rat gewinnbringend befolgt. (H. D.)

 

Winterlandschaft mit Baum (Oel, 62x75) 31375 Byte Datum unbekannt, NRZ
...Zwar galt Ferdinand Wahls besondere Liebe dem Ölgemälde, er wußte aber auch um die echte Wirkung des Aquarells. Hierfür zeugen zwei bezaubernde Blätter - "Mohn am Tümpel" und "Heide". Sie haben die lichte Helle, deren diese Technik bedarf, sind mit leichter Hand auf das Papier gebannt und in der Form locker gefügt. Ebenso sicher lebte sich Ferdinand Wahl in den Stil der Hinterglasmalerei hinein. Was er auch tat, tat er, der seine Grenzen stets respektierte, gründlich.
Eine pietätvolle Geste, der Bronzebüste Ferdinand Wahls, die der Essener Bildhauer Heinrich Adolfs schuf, in der Ausstellung einen Ehrenplatz zuzuweisen. (H. S.)

 

30. August 1963, WAZ
Bekenntnisse zur Kultur - Achtzig Bilder erinnern an den Maler Ferdinand Wahl
...Aber seine Wandlungen vom emotionalen Aquarellnaturalisten zur formbeherrschenden abstrakten Freiheit über die Stationen impressionistischer und expressionistischer Aussage vollzogen sich in konsequenter Übereinstimmung mit herangereiften Erkenntnissen.
...Wahls Palette hat sich immer von flammendem Ausbruch ferngehalten. Ihre stimmungstiefe, vornehme Verhaltenheit, ihre männliche Lyrik birgt indessen eine hintergründige leidenschaftliche Liebe zu der "Musik der Schöpfung", deren Melodie der Maler in sich nachhorchte. (Arthur van Dyck)

 

Heidehügel (Oel, 62x75) 33948 Byte Datum unbekannt, NRZ
Bilder von Ferdinand Wahl
Noblesse des Stils, handwerkliche Reife und Selbsttreue zeichnen das fleißige Schaffen des Essener Malers Ferdinand Wahl aus. Ein Großteil seiner Bilder ist gegenwärtig im Hause Eick Söhne ausgestellt. In seinen Aquarellen bevorzugt der Künstler fast ausschließlich die Landschaft, der er gern aus der Nähe der See oder eines Flusses Stimmung und Atmosphäre zugewinnt. Mit stärkeren Farben geht er sparsam um, weiß ihnen aber auch, wie in "Heidelohe", "Herbst" und "Abend", feine Wirkungen abzulauschen. Einige Ölgemälde bezeugen gleichfalls echte Könnerschaft. (hs.)

 

11. Oktober 1956, NRZ
Kunst in kleinem Raum - Essener Künstler im Deiterhaus - Aufschlußreiche Ausstellung
...Ferdinand Wahl hat ein durchaus positives Verhältnis zur absoluten Malerei. Von der Musik her ist er gewöhnt, abstrakt zu denken. Neben seinen Landschaften, von denen die Ölgemälde "Der grüne Hügel" und "Roter Herbst" und die Aquarelle "Blick auf das Meer" und "Vorfrühling" - besonders dieses verbreitet eine eigene Atmosphäre - den Besucher sofort ansprechen, zeigt er einige reizvolle, in vielen Farben schillernde Kompositionen. (H. S.)

 

Rauhreiflandschaft (Oel, 48x66) 39941 Byte 05.10.1959, NRZ
Blick für das Gewachsene - NRZ zeigt Naturbilder des Essener Malers Ferdinand Wahl
In der Geschäftsstelle der NRZ sind zur Zeit Bilder von Ferdinand Wahl ausgestellt: Landschaften, die ein persönliches Verhältnis des Malers zur Natur zeigen.
Wahl, neunundsiebzigjährig, stammt aus Wesel und lebt seit vielen Jahren in Essen. Dort war er zuerst Bankbeamter. Mit fünfzig Jahren noch gelang es dem Autodidakten in der Malerei, sein weiteres Leben ganz der Kunst zu widmen. Es hat ihm manchen schönen Erfolg eingebracht. Auf Ausstellungen im Ruhrgebiet ist er eine bekannte Erscheinung. Auch in Berlin, Leipzig und anderen Großstädten hat man ihn gewürdigt.
Unlängst war Wahl in der Essener Gruga an einer Ausstellung abstrakter Bilder beteiligt - überaschend für einen so alten Herrn.

 

Ornamental (Oel, 48x56, 1954) 51752 Byte 13.07.1950, WAZ
Charaktervoller Maler aus eigener Kraft - Ferdinand Wahl im Duisburger Museum - Zufall schuf neue Farbklänge
Eine der letzten und schönsten Ausstellungen, die der scheidende verdienstvolle Duisburger Museumsleiter Dr. D'Ham zusammenstellte, galt dem Schaffen des Essener Malers Ferdinand Wahl. Wenn ein Künstler von sich sagt, er sei Autodidakt, könnte er von den "studierten" Kollegen leicht ein wenig über die Achseln angesehen werden. Wahl kann sich dieses Odium leisten, enn er hat im Laufe der Jahrzehnte, in denen er - zuerst als Liebhaber, dann als Freischaffender - mit dem Öl- und Aquarellpinsel arbeitet, einen so vielschichtigen Stil entwickelt, daß er heute zu den charaktervollsten Malern des Reviers zählt. Bilder von Wahl sind in den Ausstellungen an ihrer persönlichen Handschrift sofort zu erkennen, weil der heute Dreiundsiebzigjährige zeit seines Lebens sich selbst treu blieb und in emsigstem Schöpfertum sein eigenes Verhältnis zu Farbe und Form suchte und fand.
...Zu den kostbarsten Duisburger Stücken gehören die jüngst entstandenen Hinterglasbilder in Aquarell und Öltechnik. Niemand wird glauben, daß sie einem Zufall zu verdanken sind. Wahl säuberte seine Pinsel und wischte sie auf einer Glasscherbe ab. Er drehte sie um und entdeckte Farbklänge, um die er sich schon lange bemüht hatte.

Ruhrhöhen im Schnee (Oel, 48x56) 37603 Byte 09. Juli 1954, Rheinische Post
Ein Außenseiter von Format - Kunstmuseum zeigt Werke von Ferdinand Wahl
...Dem Betrachter bereitet er deshalb eine große Überraschung, weil er sich auf eine bei seinem Alter ungewöhnliche Weise gewissen Tendenzen der modernen Malerei annähert - mitunter auf eine Art, die weitaus mehr überzeugt, als es bei prominenteren Namen der Fall ist.
...Einzelne Bilder sind Meisterwerke, so das in dunklem Grün gehaltene "Der schwarze Weg" oder ein paar seiner "Kompositionen". (M.-T.)

 

Siedlung im Schnee (Oel) 28538 Byte